
Die Guerilla-Taktik der Ukraine schließt sich historisch an neuzeitliche Definitionen an, die aus militärischen, wissenschaftlichen und politischen Betrachtungen entstanden sind. Daraus haben sich drei Guerilla-Taktiken ergeben. Sie werden von der Ukraine im Ukraine-Krieg seit der russischen Invasion in die Krim 2014 und dem Angriff 2020 eingesetzt. Der im November 2025 von der USA ausgearbeitete 28-Punkte-Plan zur Beendigung des Ukraine-Krieges berücksichtigt nicht die Guerilla-Taktik der Ukraine; denn die USA haben ein grundsätzliches Unverständnis der Guerilla-Taktik, wie aus dem Beispiel des Vietnam-Krieges ersichtlich ist. Deshalb sind drei wichtige Lehren aus der Guerilla-Taktik der Ukraine zu ziehen.
Guerilla
Die Guerilla ist eine Form der kriegerischen Auseinandersetzung.
Definition von „Guerilla“
Die Guerilla ist eine spanische Verkleinerungsform zu guerra, Krieg, und heißt der „kleine Krieg“.
In der deutschen Verwendung wird das Wort „Krieg“ angehängt, obwohl es schon in Guerilla enthalten ist. Das Anhängsel dient der Verstärkung in Abgrenzung zu anderen Wortverbindungen wie Guerilla-Taktik oder Guerilla-Marketing.
Historie von Guerilla
Die Historie von Guerilla geht auf den Spanischen Unabhängigkeitskrieg von 1807 bis 1814 zurück. In ihm entstand die Guerilla aus Freischärlern, die sich gegen die Besetzung durch Truppen Napoleons auflehnten. Deshalb ist der Begriff im Spanischen positiv mit Befreiung verbunden.
Militärische Betrachtung von Guerilla – Carl von Clausewitz
Die erste neuzeitliche militärische Betrachtung der Guerilla stammt von Carl von Clausewitz (1780 – 1831, geadelt 1827). Er war ein Militärwissenschaftler, Heeresreformer und preußischer Generalmajor.
Der Begriff „Guerilla“ kommt in seinen Betrachtungen nicht vor.
„Vom Kriege“
Mit seinem Werk „Vom Kriege“ hat sich Clausewitz in die Garde bedeutender Militärtheoretiker eingereiht. Dieses Werk, mehr Sammlung von Einzelschriften als strukturiertes Buch, blieb unvollendet, weil Clausewitz an der Cholera verstorben war; aber seine Witwe Marie von Clausewitz (1779 – 1836), veröffentlichte es bereits 1832 bei der Ferd. Dümmlersche Verlagsbuchhandlung, Berlin.
„Es wird mit Recht befremden, daß eine weibliche Hand es wagt, ein Werk von solchem Inhalt wie das vorliegende mit einer Vorrede zu begleiten.“ (ebda., S.173)
Verbindung von Politik und Krieg
Seine bekannte Verbindung von Politik und Krieg beschreibt Clausewitz: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“. (ebda., S. 210)
Zum Ukraine-Krieg ergänzt der israelische Historiker Yuval Noah Harari (* 1976): „Es gewinnt nicht die Partei, die mehr Land erobert, mehr Städte zerstört oder Menschen tötet. Sondern es siegt die Seite, die ihre politischen Ziele durchsetzen kann. Und in der Ukraine steht bereits fest, dass Putin sein Hauptkriegsziel – die Zerstörung der ukrainischen Nation – nicht erreicht hat.“ („Warum die Ukraine den Krieg gewinnen wird“, Focus, Nr. 46, 1. November 2025, S. 79 ff)
Volkskrieg = Guerilla
Der Volkskrieg ist eine Erscheinung, die Clausewitz unter dem Titel „Volksbewaffnung“ schildert (ebda., S. 799 ff). Er tritt im kultivierten Europa im 19. Jahrhundert als Guerilla auf. Der Begriff „Guerilla“ ist Clausewitz unbekannt.
Krieg als erweiterter Zweikampf
Der Krieg ist ein erweiterter Zweikampf und zugleich ein Akt der Gewalt laut Clausewitz. (ebda., S.191). Ihm sind keine Grenzen gesetzt, weil beide die Gewalt „bis zum äußersten“ steigern können (ebda., S.192). Die Zweikämpfer sind die Streitkräfte eines Staates (ebda., S. 198). Sie haben den Feind durch Angriff und Verteidigung, die Formen der Kriegführung, wehrlos zu machen.
Wenn es zum Äußersten kommt, muss das gesamte Volk bewaffnet werden. Als Landsturm oder als bewaffneter Volkshaufen soll es nicht gegen die feindliche Hauptmacht eingesetzt werden (ebda., S. 801); sondern der Landsturm hat sich nur an der kriegerischen Oberfläche, in den Provinzen zu erheben (ebda., S. 802).
Volkskrieg
Der Volkskrieg ist ein „nebel- und wolkenartiges Wesen“ (ebda., S. 803), weil sich das Landsturmgefecht (ebda., S. 804) nicht gegen die Hauptkräfte des Feindes richtet. Es nutzt die Guerilla-Taktiken. Wie klein und schwach ein Staat auch gegenüber seinem Feind ist, soll er den Volkskrieg/die Guerilla als letzte Kraftanstrengung des Staates nutzen (ebda., S. 805 f).
Im Sinne des Satzes über den Krieg als Fortsetzung der Politik ist der Volkskrieg ein grenzüberschreitender Bürgerkrieg, der an Guerillabewegungen denken lässt. So hat es der Militärhistoriker Werner Hahlweg in „Das Clausewitzbild einst und jetzt“ formuliert (ebda., S. 89 f).
Durch den Volkskrieg bei Clausewitz hat die Guerilla Eingang in die wissenschaftliche Erörterung gefunden.
Clausewitz – Guerilla
Clausewitz widmet der Guerilla eine militärische Betrachtung in seinem Werk „Vom Kriege“. Die Guerilla ist eine für ihn neue Erscheinung des Kriegs. Sie tritt erst im 19. Jahrhundert auf. Allerdings kennt seine wissenschaftliche Erörterung den Begriff „Guerilla“ noch nicht, obwohl er bereits existiert. Deshalb nennt Clauswitz sie einen Volkskrieg, der für jede Kriegspartei unverzichtbar ist.
Wissenschaftliche Betrachtung von Guerilla – René Girard
Eine wissenschaftliche Betrachtung von Guerilla legt der französische Kulturanthropologe René Girard (1923 – 2015) vor.
Für ihn ist die Definition des Krieges von Clausewitz zu kurz gedacht; diese Kritik schließt den Volkkrieg ein. Seine Gedanken entwickelt er in seinem Buch „Im Angesicht der Apokalypse – Clausewitz zu Ende denken“.
Den Begriff „Guerilla“ benutzt Girard nicht.
Gewalt als Grundlage des Krieges
Die Gewalt als Grundlage des Krieges ist der Ausgangspunkt für die Kritik von Girard an Clausewitz „Vom Kriege“. Der Begriff der Gewalt ist nicht zu Ende gedacht.
Mimetische Gewalt
Die mimetische Gewalt ist eine Kehrseite der mimetischen Theorie, deren Nestor Girard ist.
Sie ist nur durch Beherrschung der Macht in der Gruppe einzuschränken; denn die Mitglieder der Gruppe handeln mimetisch, also durch Nachahmung. Sie begehren nichts aus eigenem Antrieb, sondern weil andere die ins Auge gefassten Objekte begehren. Diese anderen sind Modelle des Begehrens, die nachgeahmt werden.
Die Schattenseite dieser „Mimesis“ ist, dass die Gruppenmitglieder mit den Modellen in Rivalität um die begehrten Objekte geraten können. Neid, Missgunst oder Eifersucht hebeln die Beherrschung der Macht aus. Sie lassen eine mimetische Gewalt entstehen, die sich zum Äußersten zu steigern vermag (ebda., S. 35).
Gewalt im Zweikampf
Die Gewalt im Zweikampf folgt der Definition des Zweikampfs, die Girard „sofort an den von mir so genannten mimetischen Konflikt denken“ ließ (ebda., S. 30).
Dadurch dass Gewalt Gewalt und Krieg Krieg erzeugen, gewinnt der Krieg die Oberhand über die Politik (ebda., S. 35). Die Politik läuft dem Krieg hinterher (ebda., S. 37); denn „die Gewalt (hat) stets eine Länge Vorsprung“ (ebda., S. 52).
Der Krieg ist also nicht mehr die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, wenn man die Gewalt zu Ende denkt.
„Ende des Rechts“ = „Theorie des Partisanen“ = Guerilla
„Ende des Rechts“ lautet ein Kapitel aus „Im Angesicht der Apokalypse – Clausewitz zu Ende denken“ von René Girard. Es behandelt die Guerilla, ohne dass Girard den Begriff „Guerilla“ erwähnt.
Er verficht dabei gegen Clausewitz die Position von dem deutschen Juristen Carl Schmitt (1888 – 1985) aus der „Theorie des Partisanen“.
„Theorie des Partisanen“, Carl Schmitt
Eine „Theorie des Partisanen“, aber keine „Theorie der Guerilla“ hat Carl Schmitt entwickelt.
Die Partisanen kämpfen zwar irregulär gegen moderne Armeen, agieren aber innerhalb der Grenzen des Kriegsrechts.
So ist „der „totale“, jeden Bürger-Soldaten in die Verteidigung seines Landes einbindende Krieg“, ein Partisanenkrieg. Er führt „auf direktem Weg zum Terrorismus“, dem Ende des Rechts (ebda., S. 130).
Partisanenkrieg – Terrorismus
Der Partisanenkrieg ist laut Carl Schmitt ein Modell der Gewalt, die legal bis zum Terrorismus reicht. Es wurde von Carl von Clausewitz vorausgeahnt.
Friedrich Engels (1820 – 1895), der deutsche Mitbegründer des Marxismus, analysierte es auf Basis der Guerilla-Taktik. Er wurde in Revolutionärs-Kreisen „General“ genannt; denn er verfügte über ein fundiertes militärtaktisches Wissen, das die Kenntnis der Guerilla einschloss.
Für den russischen Revolutionär Wladimir Lenin (1870 – 1924) war der Partisan als Guerilla-Krieger der wichtigste Kriegsteilnehmer. Der russische Diktator Josef Stalin (1878 – 1953) setzte den Partisanen als Guerilla-Krieger im 2. Weltkrieg gezielt gegen die Deutschen ein.
Der chinesische Revolutionär Mao Zedong (1893 – 1976) integrierte den Partisanen vollständig in seine Theorie des revolutionären Krieges, also über das Ende des Rechts hinaus bis zum Terrorismus. Er war Praktiker und Theoretiker der Guerilla.
Girard – Guerilla
Girard lenkt seine wissenschaftliche Betrachtung, in der er „Clausewitz zu Ende denkt“, auch auf die Guerilla. Den Begriff „Guerilla“ verwendet er wie Clausewitz ebenfalls nicht. Stattdessen benutzt er den Begriff „Partisan“, den er dem Kriegsrecht von Carl Schmitt entnimmt. Der Partisan oder die Guerilla agieren innerhalb des Kriegsrechts; sie sind aber gefährdet, das Ende des Rechts zu überschreiten und Terroristen zu werden. Schließlich weist Girard daraufhin, dass Mao das Gewaltmodell von Clausewitz aufgreift, um den Partisanen in den revolutionären Krieg als Guerilla zu integrieren.
Politische Betrachtung von Guerilla – Mao Zedong
Die politische Betrachtung von Guerilla durch Mao ist praktisch und theoretisch besetzt.
Praktisch war Mao als Führer stets im revolutionären Krieg; theoretisch empfand er sich als Gelehrter, um seiner Rolle als Führer-Vorbild gerecht zu werden. (Julian Baggini. „Wie die Welt denkt“, S. 326).
Den Begriff „Guerilla“ benutzte Mao bereits in „Über die Berichtigung falscher Anschauungen in der Partei“ vom Dezember 1929 („Der Krieg, S. 23).
Über Mao-Zedong
„Mao Tse-tung, der jahrzehntelang absolute Macht ausübte über das Leben eines Viertels der Weltbevölkerung, war verantwortlich für über 70 Millionen Tote in Friedenszeiten – kein anderer politischer Führer des 20. Jahrhunderts reicht hier an ihn heran.“ (Chang/Halliday, „MAO, Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes“, S. 17)
„Große Harmonie“ von Konfuzius
Die „Große Harmonie“, die Mao dem Konfuzianismus entlehnt hatte, wurde zur Strategie des Schreckens für die kommunistischen Kader. „Unter Mao lebten sie stets am Rande des Untergangs.“ (Henry Kissinger (1923 – 2023), „China, Zwischen Tradition und Herausforderung“, S. 108). Die „Große Harmonie“ diente Mao auch dazu, Chinas „traditioneller Kunst, Kultur, und Denkungsart den Krieg“ zu erklären (Kissinger, ebda., S. 110).
„Große Säuberung“ durch Mao
Die „Große Säuberung“ durch Mao entstand später aus der „Großen Harmonie“ von Konfuzius.
Eines ihrer vielen Opfern war Maos Stellvertreter, der auch als Nachfolger gehandelt worden war, Lin Biao (1907 – 1971). Er hatte 1996 die „Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung“, die „Mao-Bibel“, erfunden. Darüber war Mao überglücklich gewesen (Chang/Halliday, ebda., S. 591). Lin wurde für Mao sogar zum wichtigsten Verbündeten der „Großen Säuberung“, der er später selbst zum Opfer fiel. Auf seiner angeblichen Flucht nach Moskau stürzte sein Flugzeug aus ungeklärter Ursache ab (Chang/Halliday, ebda., S. 805).
Mao nahm den Absturz zum Anlass, Lin als Verräter zu brandmarken. Im Jahre 1973 wurde Lin nachträglich aus der Partei ausgeschlossen; alle „Mao-Bibeln“ mit seinem Vorwort wurden eingezogen.
Mao als Praktiker der Guerilla
Einer der größten Praktiker der Guerilla war Mao; denn er gewann einen der bedeutendsten Guerilla in China und für die ganze Welt. Er vertrieb den westlich ausgerichteten Chiang Kai-shek (1887 – 1975) vom chinesischen Festland auf die Insel Taiwan.
Andere Erfolge als Praktiker der Guerilla waren der Lange Marsch und die Siege über technisch überlegene Gegner. Dazu gehörten die japanischen Besatzer und die chinesische Kuomintang. Schließlich gelang Mao 1949 die Machtübernahme im von ihm vereinten China; sie war die Fortsetzung seiner Schreckensherrschaft mithilfe der Guerilla gegen Freund und Feind.
Mao als Theoretiker der Guerilla
Theoretiker der Guerilla ist Mao durch seine unterschiedlichen wissenschaftlichen Beiträge zur Guerilla. Außer in seinen Gesammelten Werken finden sie sich in Mao Tse-tung, „Der Krieg, Die kriegswissenschaftlichen Schriften“. Zitate sind in der „Mao-Bibel“ von Lin Biao zusammengefasst.
„Mao-Bibel“
In der „Mao-Bibel“ hat Lin Biao Zitate zur Guerilla an verschiedenen Stellen untergebracht.
Die deutsche Ausgabe erschien gedruckt 1967 im Verlag für Fremdsprachige Literatur, Peking. In Deutschland wurde sie von „68ern“, insbesondere den K-Gruppen, studiert. Selbst der französiche Philosoph Jean-Paul Sartre (1905 – 1980) war davon beeindruckt. (Chang/Halliday, ebda., S. 738)
Im Vorwort bringt Lin Biao einen versteckten Hinweis zur Guerilla: „In unserem Vaterland bricht eine neue Ära an, in der die Arbeiter, Bauern und Soldaten den Marxismus-Leninismus und die Ideen Mao Tse-tungs meistern.“ (Lin, ebda., S. IV)
Kapitel „Krieg und Frieden“
In den Zitaten im Kapitel „Krieg und Frieden“ (ebda., S. 70 ff) bezieht sich Mao auf Clausewitz, ohne ihn zu nennen. Auch sonst hat er ihn nie öffentlich zitiert. Mao nennt den Krieg eine Fortsetzung der Politik mit Blutvergießen, das „Über den langwierigen Krieg“ zur Guerilla gehört (ebda., S. 71).
Kapitel „Der Volkskrieg“
Mit „Der Volkskrieg“ (ebda., S. 104 ff) hat Lin das Kapitel von Maos Zitaten über die Guerilla überschrieben. Es zeigt einerseits deutlich die Verbindung zu den Volksmassen, wie Clausewitz sie beschrieben hat; andererseits sind Erkenntnisse zur Guerilla von Mao zusammengestellt. Ein Jahr zuvor hatte Lin den Sieg im Volkskrieg gepriesen (Kissinger, ebda., S.120).
„Der Krieg“
Die Sammlung „Der Krieg“ äußert sich zur Guerilla:
- neue Guerilla-Taktik
- strategische Probleme der Guerilla
- „Guerillatum“
- Ergänzung der Streitkräfte durch die Guerilla
- Strategie im Guerilla-Krieg gegen Japan
- notwendig lange Dauer eines Guerilla-Krieges
Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen; aber sie würde keine Lektüre ersetzen. Sie ist aber notwendig für eine realistische Einschätzung der Guerilla und der Guerilla-Taktik der Ukraine.
Ablehnung der Lektüre der Schriften von Mao
Die Ablehnung der Lektüre der Schriften von Mao hat dazu geführt, dass seine Ausführungen zur Guerilla nicht bekannt genug sind. Sie basiert auf seiner Einschätzung als einen der größten Massenmörder der Geschichte (Alan Posener, „Mao lesen – und die Lage in Gaza verstehen“, in „Welt“ vom 05.09.2025).
Diese Ablehnung der Lektüre hat den Erfolg von Maos Strategie begünstigt. (Posener, ebda.) Seine Strategie ermöglichte nicht nur die Vereinigung von China, sondern wurde auch von Hồ Chí Minh in Vietnam und Che Guevara auf Kuba nachgeahmt.
Mao – Guerilla
Praktisch sowie theoretisch steht Mao für eine politische Betrachtung der Guerilla. Er ist ein Praktiker der Kriegsführung und der Guerilla. Er hat die Guerilla nicht nur in den Kriegen, sondern auch sonst zur Sicherung seiner Macht genutzt. Durch seine Hand sind Millionen von Menschen umgekommen. Seine Erkenntnisse hat er in Aufsätzen veröffentlicht, in denen er Lehren zur Guerilla erteilt. Lin Biao hat sie zum Ruhme von Mao in der „Mao-Bibel“ zusammengefasst, die weltweit verbreitet wurde.
Guerilla-Taktiken
Die Guerilla-Taktiken sind langfristig angelegt. Ihre Krieger bauen auf die Unterstützung durch die Zivilbevölkerung. So kann der Feind nicht zwischen den Kriegern und den Zivilisten unterscheiden.
Es gibt drei Arten der Guerilla-Taktik: die kinetische, die nicht-kinetische und die kognitive Guerilla-Taktik.
Kinetische Guerilla-Taktik
Die kinetische Guerilla-Taktik setzt physische Gewalt ein.
Ziele der kinetischen Guerilla-Taktik
Die Ziele der kinetischen Guerilla-Taktik sind die Infrastruktur der militärischen und zivilen Organisationsformen des Feindes. Seine Logistik ist eine taktische Zielscheibe. Das Personal, insbesondere das Führungspersonal, wird attackiert.
Maßnahmen der kinetischen Guerilla-Taktik
Maßnahmen der kinetischen Guerilla-Taktik sind schnelle Angriffe mit sofortigem Rückzug sowie gezielte Überfälle.
Sie können von kleinen Gruppen oder von vereinzelten Guerilleros in offenem Gelände oder in Städten ausgeführt werden. Sie richten sich nach den Gegebenheiten von Angriff oder Verteidigung. Ihre Steuerung erfolgt bezogen auf die jeweilige Aktion, vernetzt oder in Absprache mit den regulären Streitkräften.
Beispiele der kinetischen Guerilla-Taktik
Beispiele der kinetischen Guerilla-Taktik sind:
- Überraschungsangriffe: Sie entstehen aus dem Nichts und verschwinden ebenso.
- Kinetische Cyberangriffe: Sie richten sich gegen das Computernetzwerk. Sie führen zum Diebstahl von Daten, deren Offenlegung oder deren Beschädigung.
- Bombenanschläge: Sie sind überall einsetzbar.
- Personalverbrechen: Dazu gehören Menschenraub, Geiselnahme und Entführungen.
- Behinderung der Logistik: Eingriffe in die Versorgungswege oder Transportbahnen wie Pipelines sind typische Beispiele.
Nicht-kinetische Guerilla-Taktik
Die nicht-kinetische Guerilla-Taktik setzt Gewalt ein, aber nicht direkt und nicht tödlich.
Ziele der nicht-kinetischen Guerilla-Taktik
Ziele der nicht-kinetischen Guerilla-Taktik sind die Informationsbeschaffung, die Meinungsbildung und die Ökonomie.
Maßnahmen der nicht-kinetischen Guerilla-Taktik
Maßnahmen der nicht-kinetischen Guerilla-Taktik sind Verunglimpfungen, Cyber-Angriffe und wirtschaftliche Manipulationen. Die hybride Kriegsführung findet teils offen, teils verdeckt statt. Sie kann regulär oder irregulär sein.
Beispiele der nicht-kinetischen Guerilla-Taktik
Beispiele der nicht-kinetischen Guerilla-Taktik sind:
- Boykott: Er ist eine Verrufserklärung oder Ächtung, die eine Person oder mehrere Personen vom Geschäftsverkehr ausschließen soll.
- Sabotage: Sie ist eine gezielte Störung oder Zerstörung von Infrastrukturen, Produktionsprozessen, Ressourcen, Organisationsabläufen, Vertriebseinrichtungen oder Versorgungswegen.
- Boykotte und Sabotagen: Sie beziehen die Psychologische Kriegsführung ein, um den Feind zu verunsichern und zu demoralisieren.
- Soziale Fragmentierung: Durch Zersplitterungder Gesellschaft fördert sie Misstrauen.
- Finanzmanipulationen: Sie sind ökonomische Störungen.
Kognitive Guerilla-Taktik
Die kognitive Guerilla-Taktik ist ein Teil der nicht-kinetischen Guerilla-Taktik.
Sie entspringt der Kognitiven Kriegsführung, einem neuen Feld der Psychologischen Kriegsführung (Jonas Tögel, „Kognitive Kriegsführung“). Neben der Kriegspropaganda (S. 25 ff) setzt sie die digitale Manipulation (S. 107 ff) und die kulturelle Systematische Guerilla-relevante Zukunftstechnologie der Kognition (S. 165 ff) ein.
Ziele der kognitiven Guerilla-Taktik
Ziele der kognitiven Guerilla-Taktik sind die Wahrnehmung und die Verarbeitung von Informationen. Die Entscheidungsprozesse werden als Ergebnisse von Denken, Wissen und Gedächtnis observiert.
Maßnahmen der kognitiven Guerilla-Taktik
Die Maßnahmen der kognitiven Guerilla-Taktik folgen nicht-kinetischen Methoden.
Eingesetzt werden Narrative, Symbole und Emotionen, die verdeckt die Zielgruppen manipulieren sollen. Informationskanäle werden für deren Übertragung gesondert ins Leben gerufen und aufbereitet.
Beispiele der kognitiven Guerilla-Taktik
Beispiele der kognitiven Guerilla-Taktik sind:
- Lawfare: Sie ist Nutzung von Rechtssystemen und Institutionen und dient der Delegitimierung durch die Streuung selektiver Fakten und Gerüchte.
- Desinformation: Sie ist die Grundlage der Manipulation.
- Narrative Engineering: Narrative werden gesteuert; denn Leute folgen Geschichten nicht Prozessen.
- Emotionalisierung: Die Emotionalisierung fördert Angst, Empörung oder Scham.
- Mimetik: Sie ist die auf Nachahmung basierende Nutzung von Bildern oder Slogans zur Verbreitung und Verankerung von Botschaften.
- Diskreditierung: Die Diskreditierung dient Verächtlichmachung von Personen, Institutionen, Unternehmen oder Medien.
- Informationsüberlastung: Sie ist das Fluten von Kanälen mit widersprüchlichen Nachrichten.
Guerilla-Taktik im Ukraine-Krieg
Die Guerilla-Taktik im Ukraine-Krieg basiert auf den Ausführungen von Clausewitz zum Volkskrieg, die Engels, Lenin, Stalin und vor allem Mao in Praxis und Theorie erfolgreich weiterentwickelt haben.
Ukraine-Krieg
Der Ukraine-Krieg gliedert sich in zwei Teile, in die Invasion der Russischen Föderation in die Halbinsel Krim 2014 und in den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine 2022.
Invasion in die Krim 2014
Die Invasion in die Krim 2014 war ein Racheakt der Russischen Föderation.
Vorgeschichte der Invasion
Die Vorgeschichte der Invasion beginnt mit der Weigerung der ukrainischen Regierung von Anfang November 2013, das „Assoziierungsabkommen zwischen der Europäischen Union mit der Ukraine“ zu unterzeichnen.
Am 29.11.2013 setzten die Euromaidan-Proteste in Kiew ein, die bis zum 26.02.2014 dauerten. Der ukrainische Präsident floh nach Russland. Eine Übergangsregierung wurde gebildet. In der Ukraine lebende Russen fühlten sich unsicher.
Die Russische Föderation hatte stattdessen gefordert, die Ukraine solle nicht der EU, sondern der Zollunion von Russland, Kasachstan und Belarus beitreten.
Ablauf der Invasion
Der Ablauf der Invasion begann Anfang März 2024. Tausende „Grüne Männchen“, Soldaten ohne Hoheitsabzeichen, infiltrierten die Krim. Sie war nach einem Vertrag mit der Sowjetunion von 1954 Teil der Ukraine. Sie war kein Geschenk von Nikita Chruschtschow (1984 – 1971). Diese Eigentumslage wurde im Freundschaftsvertrag vom 19. November 1990 bestätigt.
Diese Soldaten besetzten den Flottenstützpunk in Sewastopol, die Verwaltung von Simferopol sowie andere militärisch wichtige Standorte. Später gaben sie sich als russische Streitkräfte zu erkennen.
Obwohl die Russen Guerilla-Taktiken einsetzten, führten sie keinen Guerilla-Krieg gegen die Ukraine; sondern sie verlegten sich auf eine hybride Kriegsführung, eine Mischung aus regulären und Guerilla-Taktiken.
Ende der Invasion
Ein Ende der Invasion leitete das Referendum vom 16.03.2014 ein.
Prorussische Behörden der Krim hielten es unter militärischer Aufsicht ab. Im Ergebnis stimmte die Mehrheit der Befragten für einen Beitritt der Krim zur Russischen Föderation; ein Vertrag wurde am 18.03.2014 geschlossen. Er wurde als völkerrechtswidrige Annexion von der EU, den USA und der NATO verurteilt. Die damit verbundenen Sanktionen hielten sich in Grenzen.
Nach der Invasion – Zeitspanne bis 2022
Die Zeitspanne nach der Invasion bis 2022 war nicht durch Befriedung gekennzeichnet. Viele Ukrainer verließen die Halbinsel, Russen kehrten zurück.
Der Guerilla-Krieg der Ukrainer setze sich auf der Krim nach der Vereinbarung fort. Mehrfach wurden Waffenstillstandsabkommen zwischen der Ukraine und Russland geschlossen; aber sie wurden sofort wieder gebrochen.
Der Ukraine-Krieg hat auf Seiten der Ukraine als Guerilla-Krieg begonnen.
Angriffskrieg auf die Ukraine 2022
Der Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022 galt der gesamten Ukraine mit dem Ziel der vollständigen Unterwerfung und Eingliederung in die Russische Föderation. Er dauert bis heute an.
Ablauf des Angriffskriegs auf die Ukraine
Der Ablauf des Angriffskriegs auf die Ukraine durch Russland schloss sich nahtlos an die bisherigen Aggressionen Russlands an.
- Am 21.02.2022 erkannte Russland die beiden unter seinem Einfluss befindlichen Ostgebiete der Ukraine als Volksrepubliken Donezk und Lugansk an.
- Drei Tage später, am 24.02.2022, begann der Überfall auf die gesamte Ukraine. Er erfolgte gleichzeitig aus Norden, Osten und Süden mit Streitkräften am Boden, aus der Luft und auf See. Er brachte zwar Geländegewinne ein; aber der Hafen Odessa fiel nicht, Kiew wurde nicht erreicht.
- Erste Friedensverhandlungen scheiterten im März 2022. Sie wurden von russischen Angriffen begleitet.
- Im September 2022 eroberte die Ukraine mit einer Gegenoffensive weite Geländeteile zurück. Daraufhin annektierte Russland Gebiete in der Ost- und Süd-Ukraine und begann mit Russifizierung der Bevölkerung. Kinder wurden ihren Eltern gestohlen und nach Russland gebracht. Der Rückzug der Russen, der sich in die Ost-Ukraine fortsetzte, offenbarte deren Verbrechen an der Zivilbevölkerung.
- Seit 2023 greifen die Russen die zivile Infrastruktur der Ukraine an. Personalmangel ließ die Offensiven der Ukraine 1923 scheitern.
- Erstmals stießen die ukrainischen Streitkräfte 2024 auf russisches Gebiet vor. Die Russen zogen sich aus dem Norden der Ukraine zurück und legten ihren Schwerpunkt auf den Donbass und die Süd-Ukraine. Dort konnten sie Gelände gewinnen.
- Seit Anfang 2025 gelang es der Ukraine, die Front zu stabilisieren, aber nicht in voller Länge zu halten.
Charakter des Angriffskriegs auf die Ukraine
Der Charakter des Ukraine-Krieges ist der eines hybriden Krieges. Er besteht auf Seiten der Russen aus konventionellen Angriffen und dem Einsatz der Guerilla-Taktik durch die regulären Kampftruppen.
Die Russen bombardieren völkerrechtswidrig die Infrastruktur der Ukraine, um die Versorgung der Zivilbevölkerung zu stören. Diese Bombardements fanden in extra verstärkter Form im kalten Winter 2025/2026 statt.
Im Ukraine-Krieg kommen auf beiden Seiten Drohnen zum Einsatz. Deren Entwicklung beeinflusst zunehmend die Kriegsführung und das Kriegsgeschehen.
Der Angriffskrieg auf die Ukraine wird von den Russen als hybrider Krieg geführt, einer Mischung aus regulären und Guerilla-Taktiken.
Ukraine-Taktik
Die Ukraine-Taktik verwendet die Guerilla-Taktik seit der Annexion der Autonomen Republik Krim durch die Russische Föderation. Die Invasion in die vier ukrainischen Oblasten Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja 2022 hat eine Vernetzung der Guerilla-Taktik bei der Ukraine ausgelöst.
Sie betrifft deren kinetische, nicht-kinetische und kognitive Ausprägungen. Dadurch hat die Ukraine die Aktivitäten ihrer Guerilla-Gruppen in diesen fünf Regionen verstärkt und an Durchschlagskraft gewonnen. Außerdem ist die Guerilla-Taktik der Ukraine zum integralen Bestandteil der Verteidigung geworden. Auch sie nutzt den Einsatz von Drohnen, der das Kriegsgeschehen verändert.
28-Punkte-Plan zur Guerilla-Taktik der Ukraine
Im 28-Punkte-Plan zur Guerilla-Taktik der Ukraine vom November 2025 haben die USA nicht erkannt, welchen Stellenwert die Guerilla-Taktik für die Ukraine hat.
Der Plan übersieht, dass die zur Abgabe an Russland geforderten Gebiete die dominante Verteidigungsanlage der Ukraine enthalten. Durch Unterstützung der Guerilla-Taktik hat sie weitere Vorstöße der russischen Truppen aufgehalten und die Verteidigungslinie der Ukraine stabil gehalten.
Mit der Abgabe dieser Gebiete verlöre die Ukraine ihre Verteidigungsanlage an die Russische Föderation und die Basis für ihre Guerilla-Taktik. Im Gegenzug behielte die Russische Föderation ihr vollständiges Angriffspotenzial. Ein auf dem 28-Punkte-Plan aufgebauter Friedensvertrag wäre eine Einladung zum rechtswidrigen Überfall an Russland. Der Plan wurde deshalb zu Recht von den europäischen Verbündeten abgelehnt.
Die Ukraine, ohne deren Zustimmung eine Gebietsverlagerung gegen das Völkerrecht verstößt, wehrt sich vehement gegen die Abgabe der geforderten Gebiete. Unterstützt wird sie von Europa, das an Friedensverhandlungen nicht direkt beteiligt ist.
Unverständnis der USA zur Guerilla-Taktik
Das Unverständnis der USA zur Guerilla-Taktik der Ukraine ergibt sich aus der Forderung an die Ukraine, Gebiete abzutreten. Diese Forderung ist auch nach der Aufgabe des 28-Punkte-Plans durch die USA noch Teil von anderen Entwürfen zu einem Friedensvertrag. Sie zeigt, dass die USA die Guerilla-Taktik nicht verstanden haben.
Ursachen für das Unverständnis der USA zu Guerilla-Taktiken
Die Ursachen für das Unverständnis zu den Guerilla-Taktiken liegen in den eigenen Niederlagen gegen Guerilla-Taktiken der Feinde. Den größten Verlust erlitten die USA im Vietnam-Krieg (1955 – 1975), dem längsten ihrer 12 Kriege.
Vietnam-Krieg als Beispiel
Der Vietnam-Krieg ist ein Beispiel des Unverständnisses der USA zur Guerilla-Taktik. In den Vietnam-Krieg waren im Jahre 1955 die USA auf Seiten von Südvietnam eingetreten. Sie wollten Südvietnam vor der Bedrohung durch den kommunistischen Vietcong Nordvietnams schützen. Der Vietnam-Krieg entwickelte sich zu einem langwierigen Stellvertreter-Krieg der Kommunisten gegen die freie Welt.
Anfang 1973 handelten die USA mit Nord-Vietnam ein Abkommen zum Waffenstillstand aus. Sie begannen danach einseitig mit dem Abzug ihrer Truppen, der bis Anfang 1975 dauerte. Der Vietcong, der trotz des Abkommens seinen Guerilla-Krieg fortgesetzt hatte, nahm am 30.04.1975 Saigon, die Hauptstadt Südvietnams, ein. Der Vietnam-Krieg war beendet.
Guerilla-Taktik des Vietcong
Die Bekämpfung der Guerilla-Taktik des Vietcong durch die USA ist gekennzeichnet durch das amerikanische Unverständnis zur Guerilla-Taktik als Mittel der Kriegsführung.
Langdauernder Krieg als Taktik des Vietcong
Ein langdauernder Krieg als Taktik des Vietcong ist ein Guerilla-Krieg, wie Mao im Mai 1938 in seiner Aufzeichnung „Über den langdauernden Krieg“ dargelegt hat. Die USA haben den Fehler gemacht, sich nicht mit der langdauernden Guerilla-Taktik auseinanderzusetzen und ihr eine gezielte Gegenwehr entgegenzustellen.
In den 18 Jahren bis zum Abkommen über den Waffenstillstand haben die USA die Guerilla-Taktik des Vietcong nicht erfolgreich bekämpft. Zwei weitere Jahre haben sie der Guerilla-Taktik ihren sang- und klanglosen Rückzug aus Südvietnam entgegengesetzt. Dadurch dass die USA Saigon dem Vietcong überlassen haben, haben sie deren Guerilla-Taktik zum Sieg verholfen.
Strategie der USA gegen die Guerilla-Taktik des Vietcong
Die Strategie der USA gegen die Guerilla-Taktik des Vietcong zeichnet sich durch viele Fehler aus.
Britische Strategie gegen die Guerilla-Taktik als Vorbild
Die britische Strategie gegen die Guerilla-Taktik nahmen sich die USA als Vorbild. Sie ist eine Art der Kriegsführung gegen die kommunistische Guerilla. Die Briten nutzen religiöse Vorurteile zum Kampf gegen die Guerilla-Krieger aus. Gleichzeitig schüren sie antikommunistische Strömungen und bieten soziale Aufstiege an. Dadurch verhindern sie, dass die kommunistischen Guerilla-Krieger in der Zivilbevölkerung Fuß fassen können.
Sich die britische Strategie zum Vorbild zu nehmen, ist eine richtige Maßnahme zur Bekämpfung der Guerilla-Taktik des Vietcong. Leider haben die USA Fehler bei der Ausnutzung religiöser Vorurteile begangen. Sie haben auf die falsche Religion gesetzt. Sie haben nämlich zu lange an der katholischen Minderheit in Südvietnam festgehalten, weil sie die christliche Religion besser zu verstehen glaubten. Der Schlüssel für die Bekämpfung der Guerilla-Taktik des Vietcong wäre die religiöse Instrumentalisierung der buddhistischen Mehrheit gewesen.
Strategie der USA gegen die Rückzugsgebiete des Vietcong
Eine Strategie der USA gegen die Rückzugsgebiete des Vietcong wäre zur Bekämpfung der Guerilla-Taktik erforderlich gewesen. Clausewitz beschreibt die Bedeutung der Rückzugsgebiete für den regulären Krieg (ebda., Rückzug in das Innere des Landes“, S. 784ff) und den Volkskrieg als Guerilla-Krieg (ebda., „Die Volksbewaffnung“, S. 805).
Diese Ausführung hätten eine Strategie zur Bekämpfung der Guerilla-Taktik des Vietcong auslösen müssen, weil der Vietcong mit Nordvietnam ein uneinnehmbares Rückzugsgebiet hatten. Die USA haben strategisch auf der ganzen Linie versagt, indem sie mit der Einnahme von Saigon dem Vietcong zum Sieg verholfen hatten.
Bekämpfung der Korruption in Südvietnam
Die Bekämpfung der Korruption in Südvietnam ist ein Mittel gegen die Guerilla-Taktik des Vietcong gewesen. Aber die USA haben es kaum oder nur halbherzig genutzt. Im Ergebnis ist die politische Führung von der Spitze des Staates bis hinab zu den Dorfältesten korrupt geblieben. In den Dörfern wurden sogar von den USA bereitgestellte Waffen an den Vietcong verkauft. Deren Guerilla-Taktik wurde nicht nur nicht bekämpft, sondern sogar unterstützt.
Lehren aus der Guerilla-Taktik der Ukraine
Lehren aus der Guerilla-Taktik der Ukraine sind bei den Friedensverhandlungen zwischen Russland, der USA und der Ukraine zu berücksichtigen.
Lehre 1: Guerilla-Taktik als Ergänzung der regulären Kriegsführung
Die Guerilla-Taktik ist eine wichtige Ergänzung der regulären Kriegsführung.
Die Ukraine hat sie in den russisch besetzten Gebieten eingesetzt, wie sie von Clausewitz als Volkskrieg beschrieben und von Mao zum Erfolg geführt worden ist.
Lehre 2: Kein Verlass auf die USA bei der Berücksichtigung der Guerilla-Taktik der Ukraine
Kein Verlass ist auf die USA als Bündnispartner bei der Berücksichtigung der Guerilla-Taktik der Ukraine.
Sie haben aus ihren Niederlagen z.B. in Vietnam und Afghanistan nichts gelernt. Die USA haben der russischen Forderung auf Gebietsabtretung der Ukraine nicht widersprochen und damit den jüngsten Beweis geliefert.
Lehre 3: Vorbeugung gegen die Guerilla-Taktik
Gegen die Guerilla-Taktik ist Vorbeugung notwendig. Eine zuverlässige Methode ist das Wargaming („Kriegsspiel/Planspiel“).
Es wurde vor 200 Jahren in Preußen wiederentdeckt und wird nach einer Zeit der Vernachlässigung aktuell reanimiert. Das Wargaming
- simuliert Konflikte wie etwa einen Angriff Russlands auf die EU zur Verifizierung militärischer Prognosen.
- überprüft Entscheidungswege sowie Befehlsstrukturen und analysiert die Entscheidungen selbst.
- dient der Ausbildung von Führungskompetenz. Die „Helmut Schmidt“ Universität der Bundeswehr, Hamburg unterhält dazu ein eigenes „Center“.
Call-to-Action
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Fazit
Die Guerilla-Taktik der Ukraine ist eine wichtige Waffe im Kampf gegen Invasion und Angriff der Russischen Föderation. Die Guerilla stammt begrifflich aus dem Spanischen Unabhängigkeitskrieg. In neuen militärischen, wissenschaftlichen und politischen Betrachtungen wurde sie weiterentwickelt, so dass drei Guerilla Taktiken entstanden sind, die von der Ukraine in den besetzten Gebieten angewendet werden. Auf dieser Grundlage baut die Guerilla-Taktik der Ukraine auf, die erstmalig bei der russischen Invasion 2014 in die Krim Verwendung fand. Seit dem Angriff auf die gesamte Ukraine 2022 wird sie gebietsübergreifend vernetzt eingesetzt.
Der 28-Punkte-Plan der USA überging die Guerilla-Taktik der Ukraine, indem er Gebietsabtretungen als Teil eines Friedensvertrages mit Russland empfahl. Er offenbart ein generelles Unverständnis der USA zur Guerilla-Taktik, das am Beispiel des Vietnam-Krieges erläutert wird. Der 28-Punkte-Plan ist durch die Intervention der Europäer außer Kraft gesetzt worden. Doch die russische Forderung der Gebietsabtretung ist in den Entwürfen zu Friedensverhandlungen erhalten geblieben. Aus der Guerilla-Taktik der Ukraine sind Lehren zu ziehen.