
Die AfD ist eine lachende Gefahr für Deutschland. Sie ist eine Gefahr; denn sie ist vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. Lachend ist sie deshalb, weil sie durch freundliches Lachen, nicht durch Gewalt an die Macht zu kommen sucht. Im Wahljahr 2026 hat sie bereits in einigen Landtagen die Zahl ihrer Sitze vermehrfacht und die Hand nach der Regierung ausgestreckt.
Geschichte der AfD
Die Geschichte der AfD, der „Alternative für Deutschland“, hat eine Vorgeschichte, die nach der Gründung in sechs Phasen mündet.
Vorgeschichte der AfD
Die Vorgeschichte der AfD beginnt mit der Euro-Krise 2010.
Sie entstand aus einer Schuldenkrise von Griechenland, Portugal und Italien sowie einer Bankenkrise von Irland und Spanien im Euro-Raum 2008/09. Der Journalist Bruno Bandulet beschreibt sie in seinem 2010 erschienen Buch „Die letzten Jahre des EURO. Ein Bericht über das Geld, das die Deutschen nicht wollten“. Der ehemalige Finanz-Senator von Berlin Thilo Sarrazin legt 2012 nach, als er die Krise durch einen Unfall Griechenlands ausgelöst sieht („Europa braucht den Euro nicht. Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat“, S. 175 ff)
Gründung der AfD
Die Gründung der AfD erfolgt 2013 in Oberursel. Gründer sind der Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke, die Dresdener Chemikerin Frauke Petry, der Wuppertaler Journalist Konrad Adam und der Chemnitzer Politiker Alexander Gauland.
Sechs Phasen der Geschichte der AfD
Die sechs Phasen der Geschichte der AfD bilden deren unaufhaltsamen Rechtsruck ab.
In der ersten Phase verfolgte die AfD einen eurokritischen Kurs unter dem Vorsitz von Lucke.
Im Jahre 2014 erfolgte ein Rechtsruck durch migrationskritische Wahlerfolge in Ostdeutschland. Lucke verlor den Vorsitz an Petry. Er verließ mit vielen Enttäuschten die AfD.
Im Jahr 2015 löste Jörg Meuthen aus Essen als Gemäßigter Petry im Vorsitz ab. Petry trat aus der Partei aus. Die AfD erhielt durch die Flüchtlingskrise 2015/2016 erheblichen Zulauf.
Zwei Jahre später, 2017, wurde der rechtspopulistische Alexander Gauland aus Chemnitz zweiter Vorsitzender neben Meuthen. Im selben Jahr wurde die AfD im Bundestag drittstärkste Kraft. Ihr bundesweiter Aufstieg begann.
Ab 2018 begann die Rechtsradikalisierung der AfD unter dem Einfluss des aus Lünen stammenden Björn Höcke als Vorsitzendem der Partei in Thüringen. Im Jahr 2021 wurde die AfD zweitstärkste Kraft im Bundestag. Im Jahre 2022 verlor der gemäßigte Meuthen gegen den rechtsradikalen Höcke seinen Einfluss in der AFD und trat aus.
Seit 2021 sind die aus Gütersloh stammende Politikerin Alice Weidel mit wissenschaftlichem Hintergrund und der Handwerksmeister Tino Chrupalla aus Weißwasser Vorsitzende der AfD.
PEGIDA und die AfD
PEGIDA, „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, wurde am 20. Oktober 2014 in Dresden von Lutz Bachmann und Kathrin Oertel als Bewegung gegen die Migration gegründet. Beide Gründer sind rechtsradikale Aktivisten. PEGIDA entstand im Gegensatz zur AfD stark und flachte bis zur letzten Kundgebung am 20. Oktober 2024 erheblich ab.
Bewegung der PEGIDA
Bewegung, nicht Partei war PEGIDA, weil sie durch Kundgebungen ohne eine starre, für eine Partei notwendige Organisation die Öffentlichkeit zu Demonstrationen aufrief. Sie war auch nicht Teil der AfD; aber sie beeinflusste deren Darstellungsform. Deshalb ist die AfD auch heute noch abweichend zu anderen Parteien eine Partei mit Bewegungscharakter.
Ausfüllen der Repräsentationslücke
Durch Ausfüllen der Repräsentationslücke gewann PEGIDA als Bewegung ihren Einfluss als Konkurrentin der politischen Parteien.
Eine Repräsentationslücke lassen die demokratischen Parteien offen, wenn sie sich nicht ausreichend um das gesamte Volk kümmern: „Ein Teil der Bürgerschaft fühlt sich von den etablierten, die bestehende politische Ordnung tragenden Parteien im Stich gelassen.“ (Werner J. Patzelt u.a., „PEGIDA, Warnsignale aus Dresden“, S. 42) Diese im Stich gelassenen „Schichten“ waren politisch unerfahrene, stabil erwerbstätige und sozial nicht abgehängte Bürger (ebda., S.26 ff).
Nähe zur AfD
Die Nähe zur AfD entstand, weil die Führung von PEGIDA unter Bezugnahme auf das Versammlungsgesetz rechtextreme Einflüsse zugelassen hatte. Dadurch verstärkte sich deren politischer Rechtsruck.
PEGIDA verhalf durch ihre Nähe der AfD zur Akzeptanz. Bis zur Auflösung 2024 war PEGIDA Lieferant von Argumenten und Personal an die AfD; denn PEGIDA hatte sich zu deren „fünfter Kolonne“ entwickelt und Dresden zur „Hauptstadt der Bewegung“ gemacht.
Gegenwart der AfD
Die Gegenwart der AfD ist durch einen längeren Prozess des Erstarkens gekennzeichnet, der aktuell Fahrt aufgenommen hat. Aus der gesichert rechtsextremen Haltung der AfD ergeben sich Gefahren, die sich gegen die demokratische Grundordnung richten.
Erstarken der AfD in den Wahlen 2026
Das Erstarken der AfD lässt sich aus den Ergebnissen der Wahlen des zu Ende gegangenen Wahljahres 2026 ablesen.
Landtagswahl 2026 Sachsen-Anhalt
Bei der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt vom 6. September 2026 erreichte die AfD mit 43,8 % der Wählerstimmen ihr bestes Ergebnis. Gestartet war sie von Platz 2 in 2021 mit 20,8 %. Die CDU, von Platz 1 mit 37,1 % kommend, fiel auf 17,2 % und Platz 2 zurück.
Bei den Prognosen vom Freitag vor der Wahl hatte die CDU noch bei 22,3 % gelegen, die AfD bei 44,0 %. CDU und AfD haben also die ersten beiden Plätze getauscht.
Kommunalwahl 2026 Niedersachsen
Die Kommunalwahl 2026 in Niedersachsen war eine Woche später am 13. September 2026. Kommunalwahlen sind zwar mit Landtagswahlen nicht vergleichbar; aber die zeitliche Nähe zur Wahl in Sachsen-Anhalt liefert aufschlussreiche Ergebnisse.
Die CDU behielt mit 27,2 %, vorher 31,7 %, den 1. Platz. Die SPD blieb zweitstärkste Partei mit 24,6 %, vorher 30,0 %. Doch die AfD steigerte sich von einem der Schlusslichter mit 4,6 % durch einen Zuwachs von 11,3 % auf 15,9 % und Platz 3.
Landtagswahl 2026 Mecklenburg-Vorpommern
Die Landtagswahl 2026 in Mecklenburg-Vorpommern fand wiederum eine Woche später statt, am 20. September 2026. Hatten in den vorherigen Wahlen SPD, CDU und Linke die ersten drei Plätze belegt, so lautet die neue Reihenfolge AfD, SPD und Linke.
Die AfD hat mit einer Steigerung von 21,5 % auf 38,2 Prozent die SPD mit 35,5 % und einem Minus von 4,1 % sowie die Linke mit 6,5 % und einem Minus von 3,4 % auf die Plätze 2 und 3 verwiesen.
Die CDU ist, von ihrem 2. Platz kommend, mit 4,9 % und einem Minus von 8,4 % aus dem Landtag ausgeschieden. Es ist das erste Mal, dass die CDU in einem Landtag nicht mehr vertreten ist.
Wahl 2026 Abgeordnetenhaus Berlin
Ebenfalls am 20.September 2026 war die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, dem Berliner Parlament.
Belegten vor der Wahl CDU, SPD und Grüne die ersten drei Plätze, kam die Linke mit einer Steigerung von 13,5 % auf Platz 1 mit 25,7 %. Die CDU fiel mit 18,8 % auf Platz 2. Die AfD steigerte sich um 7,2 Prozent auf 16,3 % und Platz 3.
Nachwahl-Umfragen
Repräsentative Nachwahl-Umfragen haben vier anerkannte Meinungsforschungsinstitute zwischen dem 20. und 28. September 2026 durchgeführt. Die Frage lautete: „Hätten Sie anders gewählt, wenn Sie das starke Abschneiden der AfD und der Linken vorher gewusst hätten?“
Die Antworten bewegten sich je nach Umfragen und Instituten in den Spannen:
- „Nein.“ 82 – 87 %
- „Vielleicht.“ 8 – 10 %
- „Ja.“ 3 – 5 %.
Die Vervielfachung der Stimmenanteile von AfD und Linken bei den Wahlen wurde mit großer Mehrheit nachträglich bestätigt. Die Änderungszahl von 3 – 5 % ist nicht ergebnisrelevant.
Gefahr durch das Erstarken der AfD
Die Gefahr durch das Erstarken der AfD für die demokratische Grundordnung und Deutschland ergibt sich aus dem Parteiprogramm: Einschränkungen der Migration und des Asylrechts, Eindämmung der Minderheitenrechte, Eingriffe in die Bildungspolitik, Kündigung des Rundfunkstaatsvertrages, Aufhebung der Sanktionen gegen Russland, Aufgabe der Unterstützung der Ukraine, Einschränkung der Mitwirkung in der EU, um nur einige Punkte zu nennen.
Das Erstarken der AfD basiert auf Fehlern der aktuellen Politik der demokratischen Parteien. Die Fehler, die offensichtlich und nicht einfach wegzudiskutieren sind, haben eine Repräsentationslücke eröffnet. Um diese Lücke auszufüllen, brauchte die AfD die Fehler nur zu benennen und populistische Gegenmaßnahmen zu propagieren und nicht ihre Kompetenz nachzuweisen. Das Erstarken ist dazu eine Nebenfolge.
Die Gefahr, die das Erstarken der AfD auslöst, liegt in der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen. Da die AfD über keine Regierungserfahrung verfügt, kann eine staatskonforme Umsetzung nicht als gesichert angenommen werden.
Eine weitere Gefahr besteht in ihrem Verhältnis zum Grundgesetz und zur demokratischen Grundordnung. Die AfD wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Die AfD widerspricht dem Verfassungsschutz zwar; aber mit deren Erstarken besteht die weitere Gefahr, dass ihre verfassungsfeindlichen Argumente als normal akzeptiert werden.
Warnungen vor der AfD
Literarische Warnungen vor der AfD hatte es bereits vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt von dem stellvertretenden Leiter des Politikressorts der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Justus Bender in einem Buch und in einem darauf basierenden Beitrag in gegeben.
Literarische Warnung von Justus Bender vor der AfD
Die literarischen Warnungen von Justus Bender vor der AfD liegen in Buchform vor, die durch einen Zeitschriftenartikel ergänzt sind.
„Deutschland 2033“
Unter dem Titel „Deutschland 2033“, erschienen am 22. August 2026, also 15 Tage vor der Wahl in Sachsen-Anhalt, schildert Justus Bender ein fiktives Szenario der Bundespolitik. Es basiert auf Politkern des Jahres 2026, transferiert in die Zukunft.
Die Bundeskanzlerin Alce Weidel (AfD) verliest die Wahlergebnisse der Bundestagswahl 2033 in Prozent der Wahlbeteiligung: SPD 6, Grüne 12, CDU 22 und AfD 45. „Die AfD nähert sich der absoluten Mehrheit. Die anderen Parteien haben wieder verloren. Was immer sie versucht haben, es hat nichts genützt. Sie haben sich jahrelang etwas vorgemacht. Sie dachten, die AfD sei eine Partei wie jede andere.“ (S. 270)
Bereits 2029 ist Weidel zur Bundeskanzlerin einer Koalition mit der CDU gewählt worden. Jens Spahn ist Stellvertreter und Finanzminister. Binnen weniger Monate ist Deutschland ein anderes Land geworden. Die Minister Spahn, Amthor und Kretschmer wollen die AfD entzaubern, scheitern aber. Deshalb verlassen sie die Regierung.
Weidel macht als geschäftsführende Kanzlerin weiter. Sie beendet die Sanktionen gegen Russland und die Hilfen für die Ukraine. Sie kündigt Volksentscheide über Massenabschiebungen, die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft und den Ausstieg aus dem Euro an. Doch die AfD hat nichts mehr zu sagen.
„Was passiert, wenn die AfD regiert?“
Die Antwort auf die Frage: „Was passiert, wenn die AfD regiert?“ gibt Bender mit „ziemlich viel“. Die AfD könnte schweren politischen, wirtschaftlichen und menschenrechtlichen Schaden anrichten.“ (Frankfurter Allgemeine Quarterly, 4/2026, S. 29).
Zuvor begründet Bender, warum die AfD keine normale Partei ist: „In einer normalen Partei könnte es nicht angehen, wenn es in Thüringen und Sachsen-Anhalt heißt, Regenbogenfamilien seien keine richtigen Familien, und die eigene Bundesvorsitzende selbst mit einer Frau aus Sri Lanka verheiratet ist und nicht weiße Kinder großzieht. Es wäre eine politische Unverschämtheit. Es könnte nicht weggelächelt oder ignoriert werden. In der AfD schon. Denn die AfD ist keine normale Partei.“ (S. 28)
Presse-Warnungen vor der AfD
Die Presse-Warnungen vor der AfD sind exemplarisch vom politischen Magazin „DER SPIEGEL“ erhoben worden.
„Der gefährlichste Mann Deutschlands“ – DER SPIEGEL
„Ulrich Siegmund, AfD Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt“ sind die Unterzeilen zu „Der gefährlichste Mann Deutschlands“, dem Cover des SPIEGEL Nr. 34 vom 14.08.2026. Es zeigt Siegmund im Fahndungsfoto. Es ist im Gegensatz zum Text des Aufmachers zu Recht kritisiert worden.
„Ulrich Siegmund will sich an die Macht lächeln.“ (S. 9), lautet der erste Satz des Titels „Rechts extrem freundlich“. Er leitet über zur Darstellung: „Siegmund tritt volksnah auf, radikal in der Politik, nicht im Auftreten“ (S. 11) Er verfügt über ein brillantes Namengedächtnis. So ausgestattet, überspielt er lächelnd die Gefahr, die von der AfD ausgeht, und wirkt als Magnet für die Wähler.
Trotz der aufschäumenden Kritik am Cover ist die SPIEGEL-Ausgabe Nr. 34 der zweitmeistverkaufte Titel im Jahre 2026. Zur Steigerung der Verbreitung der SPIEGEL-Ausgabe Nr. 34 hat auch beigetragen, dass Siegmund Exemplare mit seinem Konterfei handsigniert verteilt hat.
Die Ausgabe, die drei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt herauskam, war eine rechtzeitige und gut verbreitete Warnung vor der AfD als lachender Gefahr.
„Was planen die Verfassungsfeinde?“ – DER SPIEGEL
„Was planen die Verfassungsfeinde?“ ist der Titel der SPIEGEL-Ausgabe Nr. 38 vom 11.09.2026. Sie erschien eine Woche nach der Wahl in Sachsen-Anhalt, zwei Tage vor den Kommunalwahlen in Niedersachsen und neun Tage vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Das Cover zeigt den lachenden Siegmund in der Mitte der ebenfalls lachenden Bundesvorsitzenden der AfD, links Alice Weidel, rechts Tino Chrupalla.
Der Titel beschreibt den „Griff nach der Macht“ der AfD (S. 8 ff) und Merz als den „König des Scherbenhaufens“ (S. 13 ff) Die Gründe für den Ausgang der Wahl in Sachsen-Anhalt und für die lachende Gefahr der AfD werden mit Interviews von Wechselwählern beschrieben („Warum AfD? » Wegen des Gefühls « “, S. 16 ff).
Warnende Beiträge zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern befassen sich mit der von der AFD knapp abgeschlagenen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und dem AfD-Frontmann Leif-Erik Holm (S. 26 ff). Sie warnen vor der AFD als lachender Gefahr.
Lachen der AfD
Das Lachen der AfD, personifiziert durch Siegmund, ist nicht nur eine erheiternde Geste. Es ist eine von dieser Partei verwandte manipulative Strategie, die Lachen zu Ernst werden lässt.
Lachen als Strategie
Dieses Lachen wird strategisch eingesetzt. Psychologisch gesprochen, ist es eine manipulative oder passiv-aggressive Humorstrategie. Sie ist besonders wirkungsvoll, weil sie zugleich Nähe wie auch Distanz erzeugt. Sie ist erkennbar, wenn sie nicht zur lachenden Person zu passen scheint. Das Lachen scheint passend bei Siegmund, nicht bei Weidel und Chrupalla, macht so die AfD zu einer lachenden Gefahr.
„Ernst des Lachens“ – FOCUS
In Kenntnis dieser strategischen Gefahr hat der FOCUS den Beitrag „Ernst des Lachens“ als gekürzten Vorabdruck von Jens-Christian Rabe, „Komisch, Satire, Comedy und der Ernst der Lage“ publiziert. (Ausgabe 40 vom 25.09.2026, S. 50 ff).
Darin heißt es: „Es ist eine Sache, die Heucheleien, Selbstwidersprüche, Fehleinschätzungen, gebrochenen Versprechungen oder Lügen von Politikern oder Polit-Kommentatoren anzuprangern, aber viel besser – und eben auch viel lustiger und eindrücklicher – sie als kleine Videoschnipsel-Beweise direkt noch einmal hintereinander abzuspielen und so die Indizien letztlich für sich selbst sprechen zu lassen.“ (S. 51). So wird aus Ernst Lachen und aus Lachen Ernst.
Nach Rabes Erkenntnissen überspielt die AfD durch Siegmunds manipulatives Lachen humorstrategisch die Gefahr, die von ihr ausgeht.
Beurteilung AfD
Die Beurteilung der AfD als die lachende Gefahr befasst sich mit deren Geschichte; aus ihr lässt sich ihr Erstarken in den Wahlen 2026 erklären. Es ist der Anlass, vor einer von der AfD ausgehenden Gefahr zu warnen.
Geschichte der AfD
Die Geschichte der AfD ist die Geschichte eines Aufstiegs, der aufhaltsam und stetig in die politische rechte Ecke verläuft. Er ähnelt dem Aufstieg des Arturo Ui im gleichnamigen Parabelstück, das Bertolt Brecht 1941 in Finnland verfasst hat. Es gibt in der AfD keinen Arturo Ui, der Adolf Hitler nachempfunden ist; auch sonst sind AfD und NSDAP verschieden.
Das Umfeld in Berlin und Weimar ist nicht vergleichbar; aber die politische Verschiebung der AfD nach rechts fordert zur Beherzigung von Brechts Lehren aus dem Aufstieg des Arturo Ui auf: die Steigerung der AfD in der Wählergunst ist zu beenden und Regierungen mit AfD-Beteiligungen bereits ab den Wahlen in Sachsen-Anhalt zu verhindern. Erschwerend kommt hinzu, dass PEGIDA die AfD mit Personal und Argumenten versorgt und ihre Entwicklung zur lachenden Gefahr unterstützt hat.
Erstarken der AfD in den Wahlen 2026
Das Erstarken der AfD in den Wahlen 2026 zeigt sich in den Ergebnissen, die kommentiert werden. Dazu ist ein Blick auf den Souverän der Demokratie, nämlich das Volk, notwendig, das in den Wahlen durch „den Wähler“ vertreten wird.
Ergebnisse der Wahlen 2026
Die Ergebnisse der Wahlen 2026 zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sehen die AfD klar auf dem 1. Platz. Platz 3 in Berlin erreicht sie mit einer Steigerung um 7,2 % der Wählerstimmen. Ebenfalls den 3. Platz erhält sie bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen, die allerdings mit Landtagswahlen nicht vergleichbar sind, mit einem Zuwachs um 11,3 %.
Die Nachwahl-Umfragen von Meinungsforschungsinstituten bestätigen diese Ergebnisse zu 80 %, obwohl die Befragten die Steigerung der AfD und der Linken kennen.
Kommentierung der Wahlen 2026
Die Kommentierung der Wahlen 2026 beschreibt alle Wahlen als Themenwahlen, nicht als Ergebniswahlen. Wahltaktiken sind nicht erkennbar. Als Personalwahl kommt nur die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern in Frage; denn 60 % der Wähler bevorzugen weiter Manuela Schwesig als Ministerpräsidentin. Doch dieser Bonus hat der SPD nicht geholfen, die ein Minus von 4,1 % zu verzeichnen hat und die AfD hat passieren lassen müssen.
Die AfD hat die Themenwahl beherrscht und die Repräsentationslücke genutzt, die ihr die anderen Parteien eröffnet hatten.
Das Volk in der Demokratie
Das Volk wird in der Demokratie, der Herrschaft des Volkes, in Wahlen durch „den Wähler“ oder besser durch die Wähler oder das Wahlvolk vertreten (Art. 38 Abs. 2 Satz 1 Grundgesetz : „Wahlberechtigt ist, wer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat;“ Die im Singular gehaltene Formulierung des Verfassungstextes bezeichnet eine Mehrzahl an Personen.
Massenpsychologie
Eine Personen-Mehrzahl, bei der die bewusste Persönlichkeit der einzelnen schwindet, ist massenpsychologisch eine Masse (Gustave Le Bon, „Psychologie der Massen“, S. 11). „Die Masse nimmt nicht den Geist, sondern nur die Mittelmäßigkeit in sich auf.“ (S. 15)
Die Wähler psychologisch als Masse einzuordnen, unternimmt Le Bon im Kapitel „Die Wählermassen“: „Der Wähler hält darauf, daß man seinen Begierden und Eitelkeiten schmeichelt. Der Kandidat muss übertriebene Schmeicheleien anwenden und darf kein Bedenken tragen, die phantastischsten Versprechungen zu machen.“ (S. 129)
Das Lachen macht die AfD massenpsychologisch zur Gefahr, weil es die intellektuelle Mittelmäßigkeit der Wählermassen bedient.
Stockholm-Syndrom
Das Stockholm-Syndrom ist in den Kommentierungen der Wahlergebnisse der AfD außer Acht gelassen worden.
„Um die Demokratie zu retten: Sollten Wahlen im Osten jetzt vorsichtshalber verboten werden?“, lautet ein Zeitungsartikel in DIE WELT vom 07.09.2026. Er bedient die Feststellung, dass die AfD im Osten überdimensional im Vergleich zum Westen zugelegt hat. Doch entscheidend ist das Stockholm-Syndrom der ehemaligen DDR, das sich in den Ergebnissen der AfD bei den Landtagwahlen widerspiegelt.
Ein Sonderfall ist die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Dort hat die AfD um 7,2 % auf 16,3 % und Platz 3 zugelegt. Übertrumpft wurde sie von der Linken, die sich mit 13,5 % auf 25,7 % und Platz 1 steigerte. Die Linke hatte ihren Zuwachs hauptsächlich im ehemaligen Ost-Berlin gewonnen. Als Enkelin der SED hatte sie dort ein solideres Standing als die AfD und eine breitere Basis für das Stockholm-Syndrom.
Das Stockholm-Syndrom betrifft die AfD durch ihre Nähe zu Russland in Ostdeutschland. Berlin ist ein Sonderfall aus der Besatzungszeit.
Warnungen vor der Gefahr der AfD
Warnungen vor der Gefahr der AfD sind literarisch und durch Presse-Organe rechtzeitig vor den Wahlen veröffentlicht worden.
Literarische Warnungen
Literarische Warnungen gehen von Justus Bender aus, der in seinem Buch „Deutschland 2033“ ein fiktives Szenario beschrieben hat.
Das fiktive Szenario lautet: Die AfD hat die CDU bei der Bundestagswahl als größte Partei überholt. In einer gemeinsamen Koalition misslingt es der CDU als Juniorpartner, die AfD als rechtsextreme Partei zu entzaubern. Die CDU verlässt die Koalition; die AfD führt die Geschäfte als Minderheitsregierung weiter. Die Bundesvorsitzende der AfD Alice Weidel stabilisiert sich als Bundeskanzlerin und koppelt die AfD von Regierungsentscheidungen ab.
In einem Zeitschriftenartikel ergänzt Bender seine Warnungen. Er weist nach, dass die AfD keine normale Partei ist. Sie hält sich nicht an die eigenen Vorgaben.
Diese kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erschienen Warnungen bleiben ohne Einfluss auf die Wähler für diese und die folgenden Wahlen.
Presse-Warnungen vor und nach den Wahlen
Die Presse-Warnungen teilen sich in Warnungen vor und nach den Wahlen 2026 auf.
Vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt hat der SPIEGEL den Spitzenkandidaten der AfD als gefährlichsten Mann Deutschlands charakterisiert. Mag das Cover der Ausgabe zu Recht Anlass zur Kritik gegeben haben, die notierten Warnung haben es nicht.
Nach den Wahlen haben SPIEGEL und FOCUS insbesondere das Lachen der AfD analysiert und als Warnung verstanden.
Zwei Tage vor dem „Tag der Deutschen Einheit“ hat die ZEIT ein Interview mit dem Liedermacher Wolf Biermann veröffentlicht (ZEIT-MAGAZIN, Nr. 42, 01.10.2026, S. 12 ff). Er war nach einem Konzert in Köln am 13.11.1976 drei Tage später aus der DDR ausgebürgert worden. Er ist vom Ausgang der Wahlen bedrückt und bezeichnet die AfD als faschistische Partei und deren Wählerinnen und Wähler als faschistoid. „Ich bin mit diesen Ostmenschen viel, viel tiefer verbunden.“ (S. 14) Deshalb richtet Biermann in diesem Interview seine Warnung vor der AfD gezielt an die Ostmenschen.
Beurteilung Lachen der AfD
Die Beurteilung vom Lachen der AfD beruht auf der eingängigen Literatur zur Unterhaltung, von der Lachen ein Teil ist. Die Satire „Er ist wieder da“ von Timur Vermes ist der Schlüssel zu der Beurteilung. Sie wird präzisiert durch „Wir amüsieren uns zu Tode“ von Neil Postman, der bereits die Dystopien „1984“ und „Schöne neue Welt“ in seine Betrachtungen aufgenommen hat.
Lachen als Teil der Unterhaltung
Das Lachen ist als Teil der Unterhaltung zu qualifizieren. Es schafft Distanz und Nähe, kann ansteckend sein und zum Mitmachen einladen. Es ist auch eine Art Unterhaltung, wenn es wie von der AfD als strategisches Lachen eingesetzt wird. Seine Wirkungen lassen sich literarisch erklären.
Literarische Beispiele zum Lachen der AfD als Teil der Unterhaltung
Die literarischen Beispiele zum Lachen der AfD als Teil der Unterhaltung sind älter als die AfD. Sie demonstrieren deshalb modellhaft das Lachen allgemein und speziell den Typ des Lachens der AfD als Teil der Unterhaltung. Die Lehren, die daraus zu ziehen sind, bedürfen also der Umsetzung auf die AfD als lachende Gefahr.
„Er ist wieder da“ – Timur Vermes
Der Roman „Er ist wieder da“ aus dem Jahre 2014 von Timur Vermes ist eine spezielle fiktive Schilderung eines unvorstellbaren Vorgangs.
Er, der wieder da ist, ist Adolf Hitler, der GröFaZ, der größte Führer aller Zeiten. Er erwacht im Sommer 2011 allein auf einem brachliegenden Feld in Berlin-Mitte. Es ist Frieden, und Angela Merkel ist Bundeskanzlerin. Von den Passanten wird er nicht als echt erkannt; sondern alle halten ihn für einen genialen Comedian und Hitler-Imitator. Er sieht darin die Chance zu einer neuen Karriere, die ihn in die Medien führt und die er gezielt für seine Propaganda ausnutzt. Mit dem Slogan „Es war nicht alles schlecht.“ wird er TV-Star. Der Roman endet mit dem Satz „Damit kann man arbeiten.“ (ebda., S. 394)
Die Medien dienen ihm als Macht. Sie normalisieren sein Auftreten und integrieren ihn; denn die Leute halten Hitler für eine Witzfigur und sich selbst für über jede Belehrung erhaben. Sie sind auf Unterhaltung geeicht und gegen Demagogie inzwischen wehrlos. Deshalb muss Hitler das deutsche Volk nicht mit Gewalt besiegen, sondern es reicht aus, dass er ihm seine Nazi-Ideen durch Unterhaltung serviert.
Die AfD braucht kein Gewaltpotenzial, sondern nur Lachen als Unterhaltung, um ihre Wähler zu mobilisieren und Nicht-Wähler zu reaktivieren.
„Wir amüsieren uns zu Tode“ – Neil Postman
In „Wir amüsieren uns zu Tode“ hat Neil Postman bereits 1985 „Die Urteilsbildung in der Unterhaltungsindustrie“ gebrandmarkt. Er greift indirekt auf den Song „There is no business like showbusiness” aus dem Musical „Annie get your gun“, 1954 geschrieben von Irvin Berlin, zurück. Zugleich erweitert er dessen Perspektive auf gängige Fernsehsendungen seiner Zeit. Dazu zitiert er George Bernard Shaw : „Es muß wundervoll sein, wenn man nicht lesen kann.“ (ebda., S. 109)
Der kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan (1911-1980) hat die Erkenntnisse von Postman1964 in dem Satz zusammengefasst: „Das Medium ist die Botschaft.“
Das Lachen ist die amüsierende Botschaft, durch die Siegmund strategisch die Gefahr der AfD verschleiert.
„1984“
Auf den utopischen Roman „1984“, von George Orwell, 1949 erschienen, weist Postman in „Wir amüsieren uns zu Tode“ im Kapitel „Huxleys Warnung“ (S. 189 ff) hin. Für ihn ist „1984“ eine Warnung, weil er die Kultur als Gefängnis beschreibt.
Orwell schildert einen Überwachungsstaat, der die Gedanken der Bewohner manipuliert: „Krieg bedeutet Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke“ („1984“, S. 7). Die Neusprache wird zur Formulierung der neuen Gedanken eingeführt. „Der Große Bruder sieht dich an!“ (S. 5), nicht umgekehrt. Er sorgt für die Überwachung, nicht für die Unterhaltung der Bewohner.
Die in „1984“ dystopisch geschilderte Überwachung ist eine Warnung vor der AfD, sofern sie Regierungsverantwortung erhält.
„Schöne neue Welt“ – Aldous Huxley
Auf „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley, erschienen 1932, weist Postman als Warnung ebenfalls in „Wir amüsieren uns zu Tode“ im Kapitel „Huxleys Warnung“ (S. 189 ff) hin. Huxley nennt seinen Roman selbst in seinem Vorwort zur Auflage 1946 eine Beschreibung der „Wohlfahrtstyrannei“.
Geschildert wird ein künftiger Weltstaat, dessen Ziel die Zufriedenheit der Bürger ist. Sie geben sukzessive ihre Freiheit, Familie und Individualität freiwillig im Tausch gegen die Droge Soma auf, die ihnen das Glück in Form von Konsum und Unterhaltung beschert.
Die Droge Soma bewirkt in „Schöne neue Welt“ die Unterdrückung wie der Große Bruder in „1984“. Oder wie Postman es anders formuliert: „In Huxleys Prophezeiung ist der Große Bruder gar nicht erpicht darauf, uns zu sehen. Wir sind erpicht, ihn zu sehen.“ (ebda., S. 189 ff)
Die Unterhaltung dient in „Schöne neue Welt“ der Unterdrückung wie das Lachen der AfD dem Weglachen von Gegenargumenten, also deren Unterdrückung dient.
Lehren zum Lachen
Die Lehren zum Lachen zeigen, dass Lachen eine gewaltlose Strategie zur Erlangung der Macht ist.
Siegmund lacht. Die AfD lacht. Beide sind eine lachende Gefahr, denn sie lachen die Gefahr weg, die von ihnen ausgeht. Und die Leute sind erpicht, sich von beider Lachen anstecken zulassen.
Quintessenz aus dem Wahljahr 2026
Die AfD ist die lachende Gefahr durch die Gefahr ihres Lachens für die demokratische Grundordnung.
Im Wahljahr 2026 hat die AfD nicht nur im Osten zu einem Höhenflug angesetzt. Weitere Steigerungen, auch auf Bundesebene, sind zu befürchten. Deshalb ist es dringend erforderlich, nicht nur das Lachen als manipulative Humorstrategie zu brandmarken, sondern auch die AfD als lachende Gefahr gemäß der Weisheit aus dem Verkehr zu ziehen: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!